Immer wieder wird mir die Frage gestellt, wie ich auf die Idee kam das SprachHaus zu gründen. „Wie lange machst du das schon und was hat dich dazu bewegt? Ist es nicht schwer, immer so viele Leute im Haus zu haben? Hast du auch mal Freizeit oder geht das ganze Jahr so?“
Viele Fragen, die ich an dieser Stelle beantworten möchte.

Nun, der Anfang ist leicht erzählt. Ursprünglich aus der Richtung public relations und Öffentlichkeitsarbeit bei einem Stiftehersteller in Nürnberg kommend, stellte sich nach der Geburt meines Sohnes León 1996 die Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ich entschied mich zunächst dafür, Mutter und Hausfrau zu sein. Dann erinnerte sich ein damaliger Freund an mein Studium der Germanistik und fragte, ob ich aushilfsweise Manager aus Brasilien im Fach Deutsch unterrichten könnte. Am Anfang etwas skeptisch, weil ich ja eigentlich nie in meinem Leben eine Lehrerin sein wollte, willigte ich ein und betrat ein weites Feld, das mir auf Anhieb sehr viel Spaß machte. Nicht nur der Unterricht als solcher begeisterte mich, sondern mehr der Umgang mit den Menschen aus verschiedenen Kulturen. Und die Herausforderung für diese Menschen, sich in Deutschland zu integrieren, weckte mein Interesse.

Ich weitete mein Stundenkontingent aus, während mein Sohn zunehmend älter und unabhängiger wurde. Nach einigen Jahren Erfahrung im Gruppenunterricht mit Menschen aus der ganzen Welt bekam ich den Auftrag einer großen Firma in Bamberg, mich um die ausländischen Mitarbeiter, auch neben dem allgemeinen Sprachunterricht, zu kümmern. Schnell wurde ein Programm erstellt, es wurden regelmäßige Treffen organisiert und bei einem wöchentlichen Stammtisch geplaudert. Dabei traten immer wieder Herausforderungen interkultureller Art in den Vordergrund. Die Expatriates, zumeist Männer, kamen nach Deutschland, hatten einen neuen Job, der sie ausfüllte und vor ganz persönliche Herausforderungen stellte. Und dann waren da Frauen mit Kindern, beide ohne Sprachkenntnisse, die von heute auf morgen in einer völlig neuen Umgebung das Alltagsleben managen mussten: Ein unglaublicher Kraftakt. Da ich neben den Männern auch mit diesen Damen Deutschunterricht hatte, stellte sich sehr oft ein persönliches Verhältnis ein. Oftmals war an Unterricht gar nicht zu denken. Probleme mussten gelöst und immer Empfehlungen gegeben werden. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Daraus resultierend kam ich auf die Idee, genau diesen Frauen von Anfang an eine Unterstützung zu geben, indem die Familie zunächst bei mir und meiner Familie wohnte und dann im späteren Aufenthaltsverlauf eine eigene Wohnung bezog. So wollte ich sie fit machen für das Überleben in Deutschland.
Arztbesuche, Kindereinschulung, Einkaufen, wo finde ich einen Spielplatz und wie muss ich mit meinen deutschen Nachbarn umgehen, standen nun auf der Tagesagenda.
Aus Budgetgründen stellte die Firma, sehr zu meinem Bedauern, das Projekt für die Expatriates wieder ein und ich fiel in ein tiefes Loch.
Aber es musste ja weitergehen, und da kam die Idee, was wäre, wenn ich mein Projekt weltweit anbieten würde? Sprachunterricht und Leben bei der Lehrerfamilie unter einem Dach. Zum Glück hatte ich durch meine eigenen Erfahrungen als Ausländerin in der französischen Schweiz einst viele Kontakte knüpfen können, die ich nun reaktivierte und ein Netzwerk aufbaute. Die ersten Sprachgäste kamen. Ich war glücklich ging voll in meiner Arbeit auf, wurde eine zweite Mutter für viele Kinder und Jugendliche im Sommer und Ansprechpartner für zahlreiche Expatriates aus der ganzen Welt.
Heute, rund 20 Jahre später bin ich stolz auf das Erreichte, könnte diesen Job jedoch nie ohne meine Familie machen, die mich sehr unterstützt und voll in das Programm integriert ist. Carlo, mein Mann, hat sich neben seiner Arbeit einem Wirtschaftspsychologiestudium hingegeben und einer Interkulturellen Trainerausbildung unterzogen und widmet sich heute diesem zweiten Standbein des Sprachhauses. Unser Sohn studiert an der Universität Bamberg und ist in einem internationalen Umfeld aufgewachsen. Reisen und Sprachen sind für ihn das Wichtigste in seinem Leben. Heute als Erwachsener unterstützt er das SprachHaus in vielen administrativen Dingen. Das war leider nicht immer so. Als kleiner Junge konnte er oft nicht verstehen, warum seine Mama sich um all die Leute kümmern muss und er nicht im Mittelpunkt steht. Das führte manchmal zu Eifersuchtsszenen und Boykottmaßnahmen.
Der Spagat zwischen den Ansprüchen, eine gute Gastgeberin zu sein und ein Familienleben aufrecht zu erhalten, war an der Tagesordnung. Und, ehrlich gesagt, habe ich manchmal mit dem Gedanken gespielt, die ganze Sache hinzuschmeißen und einem geregelten Job nachzugehen. Der Wunsch, sich mal zurückziehen zu können, einmal sagen zu können: lasst mich in Ruhe, waren stetige Begleiter.
Heute denke ich, dass wir alles gut organisiert und im Griff haben. Wir bauen regelmäßig Auszeiten ein und machen viele Dinge mit unseren Gästen, die uns persönlich am Herzen liegen.

Bei alledem an dieser Stelle auch ein Dankeschön an alle Lehrer, Freunde und Helfer ohne die das SprachHaus gar nicht existieren würde.

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